Sonntag, 10. Mai 2015

Der Mai ist gekommen...




…die Gräser blühen rot…!

In den letzten Tagen geht mir immer das schöne „Der Mai ist gekommen“-Lied im Kopf herum, denn was ich nicht für möglich gehalten habe, ist wahr geworden: überall blühen ZEITGLEICH Gräser ROT. Das haben mir die Leute hier schon seit Monaten erzählt (auf meine Frage hin, ob es hier so etwas wie Jahreszeiten gibt, oder ob einfach „immer“ „alles“ blüht), aber so richtig glauben mochte ich das nicht. Und nun ist es tatsächlich wahr: überall blühen die Gräser und geben den Bergen einen roten Anstrich. Sehr hübsch!
Damit Ihr Euch ein Bild machen könnt:
 
Hinter "meinem" Haus

close-up

sehr hübsch, wie ich finde...


Dennoch fehlt mir der Frühling in Deutschland ein wenig – das Erwachen der Natur und das frische Grün ist halt doch anders. :-)

Diese Woche war einiges los:

Schwein
Zum einen war da der Bischof, der für 10 Tage in Williame unterwegs war für verschiedene Einweihungen/ Segnungen etc. und von dieser Reise zurückkam – mit einem Schwein (eigentlich hatte er zwei geschenkt bekommen, aber das zweite war noch nicht nach Mendi gebracht worden). Das arme Schwein musste diesen langen Weg zurücklegen (zunächst zu Fuß ;-), denn dort, wo der Bischof das geschenkt bekam, gibt es keine Straße, und dann noch einige Stunden mit dem Auto…
Und DANN wird es hier demnächst wohl einfach gegessen… (mein Vorschlag an den Bischof, eine kleine Schweinezucht zu starten, wurde irgendwie nicht ernst genommen ;-) )
Nun ja, für mich halt immer noch witzig, diese Tiere, die da einfach immer verschenkt werden – na klar, Schweine für den Bischof (und heute in einer Neuauflage: „(lebendes) Hühnchen für den Priester“ – bei der Gabenbereitung :-) ).

Gefängnis
Hier in der Nähe (30 Minuten mit dem Auto) ist das Gefängnis für die Region. Die MC-Schwestern („Mutter Theresa-Schwestern“) besuchen die dort inhaftierten Frauen einmal in der Woche. Da ich sehr interessiert war, zu sehen, wie die Verhältnisse hier in einem Gefängnis sind, habe ich die Schwestern gebeten, mich einmal mitzunehmen.
Das Gefängnis ist zunächst eine riesige Fläche, die von einem Zaun umgeben ist (man muss mit dem Auto hineinfahren und ist eine Weile unterwegs; allerdings wurde mir gesagt, dass der Zaun wohl nicht mehr überall ganz ist…). Auf dieser großen Fläche befinden sich auch die Häuser der Gefängniswärter und eine Schule, sowie eine Kirche und eine Art Sportplatz. Der Ort, wo sich die Gefangenen befinden, ist dann nochmals eingezäunt (und hier ist der Zaun intakt) – eine recht kleine Fläche für die Frauen und eine deutlich größere für die Männer.
Das eigentliche Frauengefängnis besteht dann aus einer kleinen Freifläche, einem „Haus Kuk“ (also einer Küche) und einer langgezogenen Wellblech-Baracke, die in 3 Räume unterteilt ist: einen großen Schlafraum mit lauter Stockbetten, einen kleineren Stauraum, wo die persönlichen Dinge der Häftlinge eingeschlossen sind und einen Raum, der für allerlei genutzt wird, vornehmlich als Speisesaal.
Ich war ziemlich positiv überrascht, denn ich hatte mir das alles sehr viel schlimmer vorgestellt… (Erzählungen zufolge ist der Bereich für die Männer sehr viel größer, voller und weniger schön, den habe ich aber nicht von innen gesehen)
Ach so, und irgendwo gibt es auch noch Toiletten und eine Waschgelegenheit, die habe ich allerdings ebenfalls nicht inspiziert.
Die Frauen scheinen ein recht ordentliches Leben dort zu führen, tagsüber verrichten sie Arbeit für die Regierung oder die Gemeinschaft … (Gartenarbeit oder nähen oder Bilums machen etc.), einen Tag in der Woche haben sie frei.
In Gesprächen mit ihnen kam heraus, dass einige gar nicht so undankbar sind, dort zu sein, denn dort sind sie zwar eingesperrt, aber im Gegenzug auch sicher (vor dem Hass anderer), allerdings vermissen sie ihre Familien (wobei – ein Hochsicherheitsgefängnis ist das halt auch nicht… - es gibt durchaus immer wieder Leute, die ausbrechen…).
Spannend für mich war, warum diese Frauen im Gefängnis sind (ich habe das einfach mal allgemein in die Runde gefragt, aus welchen Gründen Frauen hier sind)…: Betrug, Diebstahl, Mord,…
Und DAS war dann wirklich die sonderbarste Situation: eine der Frauen hat ganz von sich aus erzählt: „also ich bin hier, weil ich eine Frau umgebracht habe“. Irgendwie krass!
Im Gespräch mit den Schwestern dann auf dem Heimweg habe ich erfahren, dass dies tatsächlich ein sehr häufiger Grund ist: eine Zweit- oder Drittfrau erschlägt aus Eifersucht eine der anderen Frauen ihres Mannes (oder den Mann – oder so).
Krass. 
Schlafsaal

Einige der inhaftierten Frauen

...bei der Arbeit (Bilum machen)


Sanguma meri
…und dann war ich am nächsten Tag gleich nochmals unterwegs: diesmal zur Polizeistation in Mendi, bzw. zu den Zellen dort, denn im dortigen Frauenteil sind gerade drei Frauen, die (wieder einmal…) als Hexen bezeichnet und misshandelt wurden. Der Mann einer dieser Frauen war gestorben – und (genau!) es wurde eine Schuldige dafür gesucht – und gefunden: die eigene Frau und zwei ihrer Verwandten. Sie wurden ebenfalls (ähnlich einer Kreuzigung) gefesselt und die Leute begannen, sie mit heißen Eisengegenständen zu verbrennen, doch diesmal nimmt die Geschichte eine andere Wendung: ein POLIZIST hat davon gehört und intervenierte und rettete den Frauen vermutlich das Leben. Zu ihrer eigenen Sicherheit nahm er sie mit auf die Polizeiwache und sperrte sie in die Zelle dort. Die Polizisten informierten die katholische Krankenstation und die Schwestern kamen, um die Wunden zu versorgen (die Frauen haben Verbrennungen, aber lange nicht so schlimm, wie es hätte sein können; eine Frau hat auch eine gebrochene Hand, vermutlich vom Fesseln); ich durfte an einem Tag mitkommen und brachte eine Tüte voll Brot mit.
Dem Polizisten, der die Frauen gerettet hat, sagen wir alle, wie gut und richtig seine Tat war und wie dankbar wir ihm sind und sind ganz vorsichtig optimistisch, denn viel zu häufig habe ich hier Geschichten gehört, in denen eben selbst Polizisten bei Hexenverbrennungen beteiligt sind, oder zumindest untätig (und verängstigt) danebenstehen und zusehen.
Wie es mit den Frauen weitergeht, ist unklar. Ihr Dorf will sie auf keinen Fall zurück (die Polizisten haben versucht zu vermitteln, der Priester wird auch noch sein Glück versuchen) – und sonst wissen sie nicht, wohin sie gehen können.
Die Frauenzelle - mit der Toilette in der Ecke

Hinter dem Gitter sind die Männer...

Sr. Gaudentia verarztet eine der drei Frauen

Officer Philip hat die drei Frauen gerettet


Umzug
Die vorletzte Woche war ich der Einladung der FSM-Schwestern (Franciscan Sisters of Mary, eine lokale Schwesterngemeinschaft) gefolgt, eine Woche bei ihnen zu Gast zu ein (da ich hier oben im DPC sonst fast alleine gewesen wäre – das war der offizielle Grund; und der zweite – inoffizielle – war, dass eine der Schwestern, die ebenfalls im Diözesanbüro arbeitet, nun nach längerer Krankheit wieder zurück ist, aber noch nicht wirklich gesund ist, und vor allem psychisch auch noch überhaupt nicht auf der Höhe, und dass meine Anwesenheit die Situation etwas entspannen könnte). Das war wirklich sehr nett, und wie sich herausstellte, für alle Beteiligten ein Gewinn, so dass sie mich gefragt haben, ob ich nicht die verbleibenden ca. sechs Wochen (uuuuaaaaahhh, nur noch so kurz…) auch noch bei ihnen wohnen möchte. Und so werde ich nächste Woche nun wirklich „ganz“ dort hinunterziehen. :-). Mir wird meine schöne Aussicht fehlen, und mein täglicher Spaziergang zur Arbeit; dafür werde ich nicht mehr alleine essen müssen, und nette Leute um mich herum haben. (Aber ich hätte nicht zugesagt, wenn ich mir das nicht hätte vorstellen können; insofern freue ich mich!)
Die FSM-Sisters in Mendi


So, heute mal nicht so lang (vielleicht schaffe ich es ja, die verbleibenden Wochen häufiger und dafür kürzer zu bloggen?!?).
Einen herzlichen Gruß „heim“!


Sonntag, 3. Mai 2015

Katholisches

Schon länger hatte ich vor, einen Artikel „Katholisches“ zu schreiben.
Also: Achtung – Ihr lest (wie immer) auf eigene Gefahr weiter! :-)
(Der Übersichtlichkeit wegen diesmal in kleineren Absätzen – und mit der Vorbemerkung, dass es in PNG selbst große Unterschiede gibt; ich berichte vorwiegend über die Situation hier in der Diözese Mendi, wo vor 60 Jahren die ersten Missionare „landeten“)

Latein
Manche werden wissen, dass ich Latein sehr schätze und dass ich mich auch über lateinische Messen sehr freue (im „neuen“ Ritus, wohlgemerkt) – und mich gerne auch immer mal wieder in Deutschland dafür stark mache. Der Gedanke, dass in dieser Sprache schon Generationen vor uns gebetet und die Messe gefeiert haben und die Vorstellung, dass dies die universale Kirchensprache ist, fasziniert mich ebenfalls.
…und dann komme ich in dieses Missionsland hier, wo jeder Stamm eine eigene Sprache spricht (es gibt hier über 800 verschiedene Sprachen, wenn man dem Internet glauben darf) und es genügend Menschen gibt, die keine der beiden offiziellen Sprachen des Landes (Tok Pisin und Englisch) sprechen…
Um es kurz zu machen: Latein spielt praktisch keine Rolle hier! Irgendwie schade, aber andererseits geht mir dadurch auch auf, wie groß die Errungenschaft war, die Bibel in die jeweiligen Sprachen zu übersetzen und die Messe ebenfalls in der Landessprache abzuhalten.
Da Tok Pisin eine sehr blumige, umschreibende Sprache ist, ist es durchaus sehr bereichernd, manche der altbekannten Texte in anderer Sprache zu hören.
Und auf der anderen Seite fehlen dann auch häufig Worte, die in Deutsch/ Englisch/ Latein eine besondere Bedeutung haben, und der Versuch einer Erklärung in Pidgin ist manchmal nicht soooo schön.
Und – eine kleine Randbemerkung… - am Ende des Hochgebetes die Worte „Durch ihn und mit ihm und in ihm…“ kann es in Pidgin so nicht geben, denn es gibt genau zwei Präpositionen („long“ und „bilong“); insofern ist da dann die Formulierung natürlich etwas anders… (und das ist nur EIN Beispiel).
Und – noch ein „P.S.:“: es ist durchaus üblich, dass die Fürbitten in der jeweils eigenen Sprache („Tok Ples“) abgehalten werden; bzw., es ist ebenfalls durchaus üblich, dass in entlegeneren Gegenden irgendjemand übersetzt („Tok Pisin“ in „Tok Ples“).

Embolismus
Im katholischen Gottesdienst wird (eigentlich,… - zumindest, wenn sich der Priester an die Vorgaben hält…) das „Vater Unser“ „unterbrochen“:
Nach der Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ betet der Priester zunächst alleine weiter: „Erlöse uns, Herr, von allem Bösen, und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit Deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“, bevor dann alle wieder mit einstimmen: „Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.“
Dieser „Einschub“ heißt Embolismus und ich persönlich finde auch die darin enthaltenen Bitten sehr wichtig und schön – und, um es kurz zu machen, freue mich, dass ich hier noch keinen Gottesdienst OHNE diesen Embolismus erlebt hätte, der ist ganz selbstverständlich.
(Vielleicht, weil hier die Stimmen, die fordern, dass dies unbedingt nötig wäre „wegen der Ökumene“ nicht so laut sind?!???)

Gesänge
…sind wichtiger Bestandteil der Gottesdienste, Gebetszeiten, etc….
…sind häufig eingängiger, als Gebete…
…werden LAUT (und noch lauter und NOCH lauter) mitgesungen (und manchmal so laut „gesungen“, dass wir es schon nicht mehr als singen bezeichnen würden)…
…haben häufig die Melodie bekannter Lieder – mit einem eigenen Text (;-) und das kann dann durchaus witzig werden, wenn das Lied im Deutschen ein Weihnachtslied ist, hier aber ein Marienlied, oder so ;-) )…

„Für alle“                                                                     
Was in Deutschland zu großen Diskussionen führt und führte, ist hier schon eine lange Weile umgesetzt. Sowohl die englischen Messbücher, als auch die Messbücher in Pidgin haben bei den Wandlungsworten nicht mehr das „für alle“, sondern „für viele“.
…und entsprechend bemühen sich die Bischöfe und Priester auch, die weiteren „Vorgaben“ des Papstes umzusetzen.

Brot und Wein
Eine solche „Vorgabe“ ist, dass die Gläubigen beim Empfang der Kommunion unter beiderlei Gestalten (Brot und Wein) das Brot nicht selbst in den Wein eintauchen dürfen (Intinktio).
Zugegeben, diese „Vorgabe“ ist für mich manches Mal durchaus schwierig (und hier ganz besonders – allein die Vorstellung, aus dem gleichen Kelch zu trinken, wie hunderte anderer Menschen …, wo hier soooo viele Infektionskrankheiten verbreitet sind…), doch Bischof Donald und einige andere Priester hier haben eine, wie ich finde, sehr schlaue Variante: Der Priester selbst hält den Kelch, ein Kommunionhelfer hält die Schale mit den Hostien, der Priester nimmt eine Hostie und tunkt sie in den Wein.
(Äääähm, und ja, klar geht das nur bei Mundkommunion :-) ).

Wein
Unterwegs in Middle Ramu habe ich noch eine weitere für mich neue Erfahrung bzgl. des Kommunionempfangs gemacht.
Die Messe, um die es hier geht, war in einer der Outstations in einer kleinen Kirche aus „Busch“materialien ohne Tabernakel. Vor der Gabenbereitung bat der Priester alle, die kommunizieren wollten, die Hand zu haben, damit die Anzahl bestimmt werden konnte. Ein Kommunionhelfer ging dann zählen, was aber durchaus nicht ganz einfach war, da alle Leute verstreut sitzen und vielleicht auch die Worte nicht gehört hatten…. Wie auch immer: beim Kommunionempfang gingen die Hostien aus – und der Priester ging einfach zum Altar, holte den Kelch mit Wein und ließ die verbliebenen ca. zwanzig Leute noch aus diesem Kelch trinken.

Ministranten
Jaja, auch die gibt es hier – und die Ministrantengewänder sind so vielfältig, wie die Priester, die hier Dienst tun. Manchmal scheint es mir, dass, je nachdem, wer in welcher Gegend missioniert hat, die Gewänder unterschiedlich sind.
Hier in der Diözese Mendi habe ich bislang nur männliche Ministranten gesehen, in der Diözese Madang dagegen fast ausschließlich weibliche.
Nun war ich selbst Ministrantin (und habe das wirklich sehr gerne und mit großer Überzeugung und Hingabe gemacht!) und habe mich durchaus dafür stark gemacht, dass Mädchen auch ministrieren dürfen, sehe aber auch, dass das ein zweischneidiges Schwert ist. Mädchen sind (auch hier – oder vor allem hier???) zuverlässiger, und es scheint hier in der Kirche so zu sein, dass sobald Mädchen (oder Frauen) eine Aufgabe übernommen haben, die Jungs (und Männer) sich zurücknehmen, da es auch ohne sie „läuft“.
Eine durchaus schwierige Entscheidung.
In Muli (wo ich über Ostern war) habe ich eine sehr aktive Gemeinde mit einem sehr guten Priester erlebt, und ich denke, dass das vielleicht als positives Beispiel dienen kann:
Fr. Damian lässt dort ebenfalls ausschließlich Jungs ministrieren, aber er nimmt sich auch sehr viel Zeit für sie und veranstaltet Ministrantenproben etc. Die Liturgie dort hat mir sehr zugesagt und es war ganz offensichtlich, dass die Ministranten ihren Dienst mit einer großen Hingabe tun (und es waren bestimmt 30 Ministranten da!).
Der Dienst der Mädchen heißt dann „Tambourine Girl“…: Die Mädchen treffen sich, um die Begleitung der Lieder für die Messe zu proben – und, wie der Name impliziert, jede von ihnen hat ein Tambourin. Diese Tambourins werden häufig auch mal bunt geschmückt, mit Fäden versehen, etc. und dann geht es los: einer genauen Choreographie folgend begleiten die Mädchen die jeweiligen Lieder (;-) das ist ganz schön faszinierend, mit anzusehen, denn selbstverständlich ist das für jedes Lied anders!)

Blumenschmuck
Ein Wort muss auch zum Blumenschmuck gesagt werden:
WUNDERSCHÖN!
Na, o.k, etwas mehr: dadurch, dass hier „immer“  „alles“ wächst, blühen meist auch allerlei Blumen – und die werden dann einfach gepflückt, um die Kirche etc. zu schmücken. Wirklich: wunderschön!
(…:-) und ich muss so oft an meinen Papa denken, der – angesprochen darauf, dass vielleicht die Socken, die er trägt, nicht unbedingt zur Hose passen (o.ä.) –  meinte, dass das subjektiv sei und dass in der Natur doch auch alle verschiedenfarbigen Blumen nebeneinander blühen… - Papa, all diese bunten Blumen sind dann manchmal auch im Blumenschmuck vereint – rosa und rot und orange und… :-)!)

Sonntagsgewand
So manches Mal sonntags (oder auch unter der Woche) wünschte ich mir, dass ich meine Kamera dauernd dabeihätte, damit ich die EINMALIGEN Sonntagsgewänder festhalten könnte…
Mode ist hier wirklich völlig relativ (und auch hier gilt: ALLES passt zusammen – wieder mit dem Gruß an Papa!), und vor allem gilt: es geht immer ALLES, solange es nur hinreichend funktionell ist – oder, solange man es einfach überzeugt genug trägt…!
Die Liste, der Dinge, die mir hier (modetechnisch) sonderbar vorkommen, wäre vermutlich endlos lange (und reicht vom Supermankostüm über die Rüschchensocken, bis zur Weihnachtsmannmütze und dem Morgenmantel), aber sonntags wird das manchmal noch getoppt, weil die Leute sich natürlich besonders fein machen für den Sonntagsgottesdienst.
I LOVE IT!!! (Wirklich, eigentlich berührt es mich, zu sehen, dass der Sonntag den Leuten so wichtig ist, und wie sie bemüht sind, sich entsprechend fein zu machen; einzig, wenn ich mit „deutschen“ Augen schaue, dann wirkt manches doch sehr witzig… :-) )

Werktagsmesse
Hier in Mendi bin ich in der sehr privilegierten Situation, meist zwischen (mindestens) drei Werktagsmessen wählen zu können: in der Kathedrale ist täglich Messe, ebenso bei den Kapuzinern und ebenso im KTS (Katechis Trening Senta ;-) ). Täglich bedeutet wirklich täglich, also auch montags und samstags. Messe ist allermeist um 7 Uhr morgens, bei den Kapuzinern und im KTS mit vorangehender gemeinsam gebeteter Laudes.
Ich wähle meist die Messe bei den Kapuzinern und bin dann bei den Swiss Sisters zum Frühstück, bevor ich um 8 Uhr im Büro anfange.
Sehr nett!
Ich weiß diesen „Luxus“ sehr zu schätzen und werde das in Deutschland sehr vermissen!

Gabenbereitung
Über die Gabenbereitung habe ich schon einmal kurz berichtet, deshalb nur ganz kurz: vor der Gabenbereitung findet ein kleiner Gabenganz statt, in dem Brot und Wein und sonstige Gaben zum Altar gebracht werden. (Und das „Sonstige“ ist Geld, Gemüse, Obst, etc., aber eben manchmal auch lebende – oder tote – Tiere…)

Beichte
Verglichen mit Vielem, was ich in Deutschland erlebt habe, hat die Beichte hier einen hohen Stellenwert. In vielen Outstations habe ich erlebt, dass der Priester bevor er die Messe beginnen kann, zunächst erst einmal eine gute Stunde (oder länger) Beichte hört. Da viele dieser Kirchen keinen eigenen Beichtstuhl haben, findet die Beichte dann im Altarraum statt: der Priester sitzt auf seinem Stuhl und der Beichtende kniet vor ihm. (Hin und wieder denke ich da unser Nightfeverteam und die Anfragen, die so manches Mal kommen nach den Nightfeverabenden, ob eine solche Beichte nicht irgendwie zu „öffentlich“ ist, bzw., dass sie nicht privat/ geheim genug ist… :-) … kommt doch mal HIERHER und schaut Euch das an!)
Generell ist Beichte hören sicherlich auch eine Herausforderung für die Priester, denn so manches Mal verstehen sie die Sprache nicht, in der da gebeichtet wird…
Auch hier gilt: manches Mal bin ich ganz ergriffen vom festen Glauben mancher dieser (in meinen Augen häufig so „einfachen“) Menschen: da kann ich viel lernen.

Faithfulness
Mir fiel keine bessere Überschrift ein…:
In Deutschland erlebe ich häufig, dass Menschen, die an den Idealen/Idealvorstellungen der katholischen Kirche scheitern, mit großer Energie versuchen, diese Ideale abzuschaffen und die Kirche zu verändern (zum Beispiel bezüglich der Haltung der katholischen Kirche in Bezug auf den großen Komplex „Ehe, Sexualität, Familie“).
Hier scheint es mir eher so zu sein, dass es viel klarer ist, dass man an Idealen scheitern kann, und dass sie dennoch wert sind, aufrecht erhalten zu werden; dass es nach jedem Scheitern auch die Möglichkeit des Neuanfangs gibt (und dass dies im katholischen Glauben eben durch die Beichte und die Vergebung der Sünden möglich ist).
Wenn man die konkreten Lebenssituationen einiger Menschen hier anschaut, dann sind diese überhaupt nicht konform mit den Lehren der katholischen Kirche, und dennoch a.) werden diese Menschen nicht als Aussätzige/ Ausgestoßene/… behandelt und b.) versucht niemand, die Lehren der Kirche zugunsten dieser Menschen zu ändern.
Es ist durchaus üblich und völlig normal, dass während des Kommunionempfangs Einige auf ihren Plätzen sitzenbleiben – aus verschiedenen Gründen (zum einen wirklich, weil sie sich nicht im Stand der Gnade befinden, zum anderen aber auch, weil sie nicht der katholischen Kirche angehören – oder ihr sich in der Vorbereitung zurAufnahme befinden, oder weil sie sich aus irgendeinem Grund nicht disponiert dafür empfinden,…) – und dass das nicht groß diskutiert oder in Frage gestellt wird. Es ist klar, dass es bestimmte Voraussetzungen für den Kommunionempfang (und für die Aufnahme in die Kirche etc.) gibt, und dass andere Kirchen (und andere Vereine etc.) auch bestimmte Voraussetzungen für allerlei Dinge haben, und entsprechend versuchen die Leute, sich daran zu halten.
(Ich muss gestehen, dass ich diese Haltung, wie überhaupt die Haltung zur Treue gegenüber der katholischen Kirche als sehr angenehm empfinde. Ich bin die ewigen Diskussionen „back home“ leid und ich empfinde es als große Erleichterung, mich nicht ständig und überall für meinen Glauben und meine(n Versuch von) Treue gegenüber der katholischen Kirche rechtfertigen und verteidigen zu müssen)

Missionare
…gibt es hier viele…
Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, den unterschiedlichsten Gemeinschaften und sprechen die unterschiedlichsten Sprachen.
Die Missionare (also die Gemeinschaften), die schon seit über 45 Jahren hier sind, sind die Kapuziner und die „Swiss Sisters“ (aus Baldegg). Die Kapuziner sind sogar noch länger hier, deshalb ist auch keiner der allerersten Garde mehr hier, aber einige der „Swiss Sisters“, die jetzt noch im Land sind, waren die allerersten ihrer Gemeinschaft, die hierher gesandt wurden.
Diese Menschen, die schon seit 45 Jahren hier sind, faszinieren mich sehr – und ebenfalls fasziniert mich die Art, wie sowohl die „alten“ Kapuziner, als auch die „alten“ „“Swiss Sisters“ hier authentisch als Missionare, aber vor allem auch authentisch als Gemeinschaft leben! Beeindruckend. Und sehr begeisternd, welch faszinierende Persönlichkeiten diese Menschen sind!

Bischof
Kurz muss ich auch etwas zum Bischof schreiben:
Bischof Donald ist ein großartiger Mensch. Er ist ebenfalls Kapuziner, kam allerdings ursprünglich nicht als ganz „klassischer“ Missionar in’s Land, sondern um im Seminar der Kapuziner zu unterrichten. Dies tat er auch, aber gar nicht so lange, denn als der ehemalige Bischof von Mendi, Bischof Steven, zum Erzbischof von Madang gemacht wurde, war plötzlich der Name von Donald Lippert auf der Liste der Kandidaten für den Bischof von Mendi… - und dann wurde er auch wirklich Bischof von Mendi….
Er unterrichtete zuvor in Port Moresby (dort wird fast ausschließlich Englisch gesprochen) und musste dann erst einmal anfangen, Pidgin zu lernen. UND: aus der Erwartung, einige Jahre hier lehrend zu unterrichten, wurde die „Sicherheit“, bis zur Pensionierung (mit 75) in PNG zu bleiben. Irgendwie auch spannend, aber eben auch „typisch“ für hier und für die Mission: PNG ist „the land oft he unexpected“, wie hier gesagt wird.
Nun ja, Bischof Don erzählt manchmal scherzend, wie er sich anhören muss, dass manche Leute (von außerhalb PNG) ihm sagen, dass die Leute, die in PNG Bischof werden, auch nirgendwo sonst Bischof geworden wären… - da ist sicherlich etwas dran, aber im Gegenzug: die Allerwenigsten KÖNNTEN hier Bischof sein – das ist wirklich keine (überhaupt keine!) leichte Aufgabe! Ein Bischof hier ist häufig sehr alleine, muss auf viele Annehmlichkeiten der westlichen Zivilisation verzichten, sich mit allerlei fremden Gebräuchen und Sitten auseinandersetzen und auskennen, muss sich wirklich mit ALLEM selbst befassen, etc….
Wo ein deutscher Bischof einen Sekretär und eine Sekretärin, einen Finanzchef und jemanden für Soziales, einen Chauffeur und eine Köchin, etc. hat, muss der Bischof in PNG selbst aktiv werden: er muss vielleicht nicht die ganze Arbeit alleine machen, aber er muss sich zumindest mit allem auskennen – und das reicht von den Finanzen bis zur Solaranlage… - und so ganz „nebenher“ ist er dann ja auch noch ein geistlicher Führer…
Ich beneide Bischof Don überhaupt nicht um diese Aufgabe, im Gegenteil, ich bemitleide ihn sehr…! (…OREMUS!...)

Priester
Die Diözese Mendi ist noch recht jung und hat in der Zwischenzeit (also in den ca. 60 Jahren ihres Bestehens) einige „locals“ als Priester hervorgebracht. Momentan liegt die Zahl bei ca. 13 (oder so?), die Mehrheit der Priester stammt aus einem anderen Land (USA, Korea, Indien, Tansania, Polen).
Es ist für mich spannend, die verschiedenen Mentalitäten zu sehen, und die Eigenheiten, die die jeweiligen Priester mitbringen – und, ich muss auch hier sehen, dass manche Dinge, die für mich völlig selbstverständlich sind, hier überhaupt nicht selbstverständlich sind, und dass ich nicht erwarten darf, dass mein Gegenüber sich so verhält, wie ICH es von einem Priester erwarten würde.
So sind die Priester eben auch „nur“ Menschen …
…und der Bischof ist auch der Chef von all diesen… :-) keine leichte Aufgabe
(…und ehrlicherweise bezieht sich dieser kurze Absatz vor allem auf die „local priests“…)

Barmherzigkeit vs. „Compensation“
Manche Grundsätze meines Glaubens habe ich hier sehr viel besser kennen- und verstehen gelernt.
Mir ist klar geworden, dass für mich ein Leben ohne Barmherzigkeit, beziehungsweise ohne die Möglichkeit, selbst zu vergeben und Vergebung zu erfahren, beinahe sinnlos und vor allem unglaublich bedrückend und niederschmetternd wäre.
In der Tradition der Menschen hier in den Highlands hat aber dieses „Nachkarten“ eine große Bedeutung (die ganzen „tribal fights“, die hier stattfinden, haben meist schon vor Jahrzehnten begonnen – und die Situation ist häufig wie ein Schwelbrandt, der immer mal wieder aufflammt). Zur Zeit bekomme ich das hier in der Nähe mit, wo zwei rivalisierende Stämme wieder kämpfen, und dabei auch schon wieder (mindestens) ein Mensch getötet wurde. „Aug und Auge…“ Die Möglichkeit, irgendwann irgendwo einen Schlussstrich zu ziehen, existiert in dieser Vorstellung nicht.
Immer „beliebter“ werden auch Kompensationsforderungen – ein Menschenleben gegen so und soviele hundertausend/ Millionen Kina – und falls das nicht gezahlt wird, wird eben vom anderen Stamm jemand umgebracht. (Diese „compensation“s bestimmen auch den Alltag: für allerlei Dinge werden die fällig – in unterschiedlichen Höhen etc.).
Ich realisiere, wie schwierig manche ganz alltäglichen Situationen werden, wenn die Person „gegenüber“ nicht vergeben kann… - und wenn ich mir dann für ein paar kurze Momente vorstelle, wie ich mich fühlen würde, wenn ich selbst diese Möglichkeit, zu vergeben, nicht hätte, dann reicht diese Vorstellung aus, um mich in eine sehr aggressive und dunkle Stimmung zu versetzen…
Spannend, denn zum Einen kommt der Versuch dieser Grundhaltung bei mir sicherlich aus meinem Glauben heraus, zum Anderen merke ich aber auch, dass das dies eine sehr gesunde Haltung ist, und ich ganz eindeutig davon im Alltag profitiere. :-)

Berufung vs. Geld-scheffeln und Erwartungen erfüllen
Ach ja, und das Thema „Berufung“.
In Deutschland ein „Dauerbrenner“, hier genauso.
„Welchen Weg gehe ich? Welchen SOLL ich gehen, welchen WILL ich gehen, zu welchem fühle ich mich berufen?“
Müssen wir uns in Deutschland bei dieser Frage schon Gedanken machen, wie das Umfeld reagiert, wenn wir einen Lebensweg „wählen“, der für den „Mainstream“ nicht ganz nachvollziehbar ist, so ist das hier genau das gleiche. Allerdings sind die Beweggründe vielleicht nicht ganz die gleichen.
Wie im „Compensation“-Absatz erwähnt, braucht „man“ hier für bestimmte Anlässe SEHR viel Geld… - neben den „Compensations“ sind das dann der Brautpreis, irgendwelche Geld-verleih-und-mit-Zinsen-zurückbekomm-Aktionen, der Tod eines Menschen (da muss man als Wantok nämlich viiiiiiiiel Geld zahlen, das man dann wieder bekommt, wenn aus der eigenen Familie jemand stirbt…), und dann noch eine merkwürdige Sitte, dass man den Brüdern und Onkels einer Frau, die in eine andere Familie eingeheiratet hat, Geld gibt (ABER: das ist NICHT der Brautpreis!!!) – das Wort aus Pidgin übersetzt ist sowas wie „Milchgeld“…
Insofern sind die Erwartungen, die in die Kinder einer Familie gesetzt werden, vor allem die, dass sie GELD SCHEFFELN, damit sie sämtliche Schulden etc. bezahlen können, die der Rest der Familie macht. (Und auch hier gilt: für mich eine sehr düstere Vorstellung; welch schwere Bürde für die Kinder).
Nun ja, kurz und gut: für die jungen Menschen, die sich hier ein Leben für die Kirche (als Brüder, Priester oder Schwestern) vorstellen können, bedeutet das, dass sie wirklich Erlaubnis benötigen von ihren Eltern und ihrer gesamten Großfamilie (und es kommt durchaus vor, dass dann irgendein Onkel nein sagt), wenn sie nicht völlig mit der Familie brechen möchten.


So viel für heute…! Bis bald, mit herzlichen Grüßen aus PNG!

Nachbemerkung: Ich habe all dies NICHT geschrieben, um große Diskussionen auszulösen und bin auch NICHT bereit, mich in diese hineinziehen zu lassen! Ich habe lediglich meine Beobachtungen und Erfahrungen hier niedergeschrieben, um sie zu teilen (und um möglicherweise auch zum Nachdenken anzuregen)!

Montag, 6. April 2015

Die nicht so schöne Seite…



03.04.15

Karfreitagmorgen in Muli – ich sitze vor dem Haus der zwei Schwestern hier und wärme mich. Muli liegt hoch im Hochland (ähnlich wie Komakul, wo ich Anfang Dezember war) und es ist wirklich SEHR kalt morgens… - dafür war dieser Morgen wirklich ausgesprochen schön – klarer Himmel, ein wunderschöner Sonnenaufgang, im Tal Nebel – und die beiden umgebenden Berge (einer davon Mount Giluwe!) beide OHNE Wolken (Einschub: ein paar Stunden später waren die beiden schon wieder wolkenumhüllt ;-)  ). Wunderschön! Ich wurde spontan vom polnischen Priester eingeladen, die Kar- und Ostertage hier zu verbringen. Ich freue mich, denn das ist ein bisschen wie Kurzurlaub! :-)

Die katholische Kirche in Muli

Der wunderschöne Karfreitagmorgen – Mt. Giluwe – schon wieder wolkenlos!


 
Die Missionsstation in Muli ist wunderschön, Fr. Damian ist jetzt seit acht Jahren hier und hat vieles bewegt! Ich habe auf Bildern gesehen, wie es hier vorher aussah und bin schwer beeindruckt! Die neueste „Errungenschaft“ ist ein Mehrzweckgebäude, in dem zwei Gruppenräume sind, aber auch ein Kindergarten (eine absolute Seltenheit hier), wo die Kinder an drei Tagen in der Woche vormittags kommen dürfen und ein Fitnessraum!!! Irgendwie kommt mir das vor, wie aus einer anderen Welt, und gleichzeitig finde ich die Idee klasse: Die Leute zahlen (sehr wenig) Eintritt und dürfen dann trainieren. Fr. Damian hat mir erzählt, dass ein Freund von ihm das in einer anderen Diözese sehr erfolgreich eingeführt hat, und sich ein Team aus Leuten gebildet hat, die verantwortlich sind für diesen Raum. So, wie ich die Leute hier bisher kennengelernt habe, dürfte das hier auch funktionieren, denn Fr. Damian bringt ihnen wirklich bei, was es heißt, selbst verantwortlich für etwas zu sein – und entsprechend auch Sorge zu tragen. Im Vergleich zu vielen anderen Plätzen in den Highlands ist es hier ziemlich ordentlich etc.
Der perfekte Ort für einen Kurzurlaub also!


Karfreitag scheint mir auch der richtige Zeitpunkt zu sein, einmal von den nicht-so-schönen Seiten hier zu schreiben…
Beginnen wir harmlos:
Aus welchen Gründen auch immer scheine ich das attraktive Ziel aller stechenden/ beißenden/… Insekten zu sein (naja, aller ist wohl leicht übertrieben) – es vergeht so gut wie kein Tag, an dem ich nicht irgendwo einen neuen Stich/ Biss entdecke. Ich habe KEINE Ahnung, wo diese Viecher die ganze Zeit herkommen und das Insektenspray ist mein bester Begleiter geworden ;-). Naja, das ist halt vor allem nervig, weil ES JUCKT ;-)

Beachte – sogar die Fußsohle bleibt nicht verschont… :-(

Dann war ich seit ich von meiner Reise mit Elias zurückgekommen bin, einige Wochen nicht wirklich fit (generell, in etwa so, wie wenn man in Deutschland wochenlang einen grippalen Infekt mit sich herumschleppt, der nicht besser wird und nicht weggeht). Zunächst hat mich das nicht beunruhigt, doch dann kamen Gliederschmerzen und vor allem geschwollene Gelenke (Finger, Hände, Füße,…) hinzu und ich war in meinen Bewegungen vermutlich so geschmeidig wie eine alte Frau…
Auch, wenn die Symptome nicht wirklich typisch waren, habe ich sicherheitshalber einen Malariatest machen lassen – natürlich negativ. Dank dem Internet (und ein wenig eigenem Wissen ;-)  ) hatte ich eigentlich einen viralen Infekt in Verdacht und dankenswerterweise war genau in der Woche, als die Symptome deutlich auftraten, auch eine Ärztin aus Sydney hier auf der Missionsstation. Nun gut, sie ist eigentlich Spezialistin für HIV, aber dennoch war sie eine sehr kompetente Ansprechpartnerin (und vor allem war ihr meine Situation – als nicht-Einheimische) klar. Sie kam zum gleichen Schluss, wie ich (was mich dann ehrlich gesagt doch beruhigt hat), und das bedeutete, dass die Symptome in spätestens zehn Tagen wieder weg sein sollten – ohne, dass man etwas hätte tun können, dennoch konnte sie aber eine bakterielle Infektion nicht gänzlich ausschließen (…meine Schüler daheim würden jetzt vermutlich kopfschüttelnd dasitzen und mir vorschlagen, dass man das doch ganz leicht diagnostizieren können müsste… - jaja, in DEUTSCHLAND schon… - aber so ganz ohne vernünftige Diagnosemethoden und sogar ohne die Möglichkeit, Bakterienkulturen anzuzüchten, bleibt das ein Vermuten…). Wie auch immer: was ich daheim NIE machen würde: sie hat mir vorsichtshalber ein Antibiotikum mitgegeben (…und auch hier würden meine Schüler daheim mich mit großen Augen anschauen und mich fragen, ob ich ihnen nicht beigebracht hätte, dass man das nur nehmen sollte, wenn wirklich eine bakterielle Infektion vorliegt… - jaja, ganz recht, manchmal muss man – entgegen dem, was man gelernt hat und auch gelehrt hat, der Situation entsprechend angemessen handeln… :-) – das ist, was ich hier beinahe täglich mache).
Was auch immer letztlich der Auslöser war; nach ein paar Tagen ging es mir bereits erheblich besser und zwischenzeitlich jammere ich „nur“ noch, weil ich leider durch diesen Infekt in meinem Bewegungsdrang ziemlich eingeschränkt war und nun körperlich leider immer noch deutlich unfitter bin, als zuvor.
Dankbar bin ich aber schon, dass das alles glimpflich ausgegangen ist (denn – und auch da waren die Ärztin und ich uns ganz einig – wenn die Symptome nach einer Woche/zehn Tagen immer noch unverändert gewesen wären – oder gar schlimmer geworden wären, dann hätte ich nach Australien zur Abklärung/ Behandlung fliegen müssen)!

So weit alles noch SEHR harmlos.

Überhaupt nicht harmlos dagegen war/ist die Geschichte mit Mary.
In Papua Neuguinea, besonders auch in den Highlands, glauben viele Menschen (auch, wenn sie „offiziell“ so gut wie alle Christen sind) an Hexerei. Geschichten von Hexenverfolgungen machen auch immer mal wieder die Runde/ sind in den Zeitungen/ im Internet zu finden.
In der Woche vor meinem Geburtstag wurden die Mutter-Theresa-Schwestern informiert, dass in der Gemeinde (grenzt an Mendi), in der sie vorwiegend mit aktiv sind, zwei Frauen als Hexen verfolgt und misshandelt wurden. Eine davon ist Mary, eine der sehr aktiven katholischen Mamas hier. Die Schwestern machten sich zusammen mit einem Priester auf und fanden Mary – schwerst misshandelt – früh morgens in ihrem Haus auf und brachten sie in die kleine Krankenstation (Schwester Gaudentia hat dort auch selbst schon misshandelte Frauen hingebracht und so gut es geht, gesundgepflegt).


Zugrunde lag, dass ein Pastor der United Church, der seit Jahren schwer krank war und (was man so hört) höchst ungesund gelebt hat, gestorben ist. Nicht ungewöhnlich, würden wir jetzt sagen, aber hier sind die Leute überzeugt, dass „man“ nicht „einfach so“ stirbt, sondern dass jemand dafür verantwortlich ist. Mit dubiosen Mitteln wird dann der Schuldige gefunden (ääähm, natürlich DIE Schuldige) und der Tod des Verstorbenen wird gerächt/gesühnt. Häufig sind die „Schuldigen“ halt die, die in ihrer Gemeinschaft mit zu den schwächsten Gliedern gehören (im Fall von Mary: Witwe, nur ein Sohn, der auch nicht da war; sie lebt auf dem Land des Mannes….).
Zu solchen Hexenverfolgungen gehören dann, dass die betroffenen Frauen ihrer Kleider beraubt, an einen Pfahl gefesselt und schwerst misshandelt werden – verbrannt…etc.
Ich erspare Euch die Details – einiges steht in diesem Artikel (…der Verfasser ist kein Englisch-Muttersprachler! ):

Woman back to life after been burnt alive
A woman from Tente One village in Mendi town is a widow-mother of a son. She is a Catholic Christian and a member of Legion of Mary. It was on Sunday afternoon that a United Church Pastor died after undergoing severe illness for almost two years. The death of the pastor was suspected to be the cause of Sanguma.  The village men started to cut the bamboo for superstitious investigations if the woman was truly the cause of the Pastor’s death or not. The bamboo was controlled by men and their full attention and suspiciousness were focused on her that she is the cause of the Pastor’s death as the cultural investigation of the bamboo directed to where she was. The accusation came into flame on Friday. The Woman was accused that she is the cause of the death when the men directed the bamboo to her. During the interview, she said “I cried aloud from my heart and said it’s not me! Please the Lord above knows! I am innocent! I am pure and clean in my heart!” In the midst of the accusation, a policeman put the accusers under pressure to take action on her. She said, “I was surrounded by the group of young men. They tightened my hands with wires on two irons. My face was wrapped with a piece of cloth. My legs were tightened with wires and I was hung on the irons. They started burning me alive continuously with very hot wires, bush knives, irons, and other metals. I was experiencing the real hell on earth.” She was said to be hung on the morning hours of Friday till around 12:00 am on Saturday morning. While experiencing the pain, she said “I was crying aloud and said: Please I haven’t committed any crime. Why are you doing these to me? I am your mother.” She was left behind. Nobody made an attempt to rescue and free her. In the middle of the night, she realized that she was lying on the lawn. She never knew who released her. The woman said “I was crawling very slowly to the house. The neighbours who saw me started running away thinking that I am a ghost. Some even started kicking me.” At last she said “I thanked the Good Lord above for giving back my life from been burnt alive.”  She was rescued by the Catholic nuns of Mendi Diocese.    

Interviewed by:  Augustine Napa.


Mary erinnert sich nicht, wie sie überlebt hat, sie kann noch viele Details ihrer Misshandlungen erzählen, vermutlich wurde sie dann aber irgendwann ohnmächtig – und als sie wieder zu sich kam, war es nachts und sie lag nackt auf dem Gras. Sie schleppte sich in ihr Haus zurück und wurde dort dann am nächsten Tag von den Schwestern gefunden.
Die andere Frau (ich weiß nicht, wer sie ist) wurde einige Tage später tot in einem kleinen Flusslauf gefunden.

Ich habe Mary kennengelernt, weil ich sie in der Krankenstation besucht habe. Zunächst hatte ich sehr große Berührungsängste, weil ich fürchtete, dass sie mich als neugierig/sensationsgierig einstufen würde, doch die betreuende Schwester meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, sie wäre vermutlich dankbar – und es würde ihr auch gut tun, ihre Geschichte immer wieder zu erzählen – ihre Art der Verarbeitung.
Und: …. ich war (und bin) tief beeindruckt. Diese kleine Frau (körperlich) – schwerst misshandelt, praktisch nicht in der Lage, irgendwie zu liegen/ sitzen/ stehen, da alle Teile ihres Körpers verbrannt oder sonstwie misshandelt wurden – strahlt eine solche innere Stärke und einen solchen Lebenswillen aus….!!!
Ich weiß nicht, ob ich das so in Deutschland auch erlebt hätte. Vielleicht ist es traurigerweise so, dass die Menschen hier mit viel Leid umgehen müssen und der Überlebenswille entsprechend größer ist (?). Ich hätte wirklich vermutet, eine schwerst traumatisierte Frau zu treffen, die völlig gebrochen ist – doch das Gegenteil war der Fall. Sicherlich hat Mary auch ihr sehr starker Glaube geholfen, zu überleben und weiterzugehen, aber dennoch – ich bin immer noch schwer beeindruckt.
Von einigen daheim habe ich ja Geld bekommen, um „etwas Sinnvolles“ in PNG damit zu tun (nochmals herzlichen Dank!). Ich habe überlegt, ob ich das alles in ein größeres Projekt stecke, oder ob es nicht eine Möglichkeit gibt, mehreren Menschen etwas Gutes zu tun. …und genau dafür habe ich mich jetzt auch entschieden: Rebekkas Waisenhaus hat über Weihnachten von einem der Menschen, die hier im Parlament sind, einiges an Geld bekommen und sie hat somit bereits begonnen, ein „permanentes“ Haus zu bauen (ich hatte im Kopf, dass sie sich ein „echtes“ Dach gewünscht hat). Irgendwie fände ich es nicht so gut, nun den „Reichtum“ (das ist es für sie!) noch zu mehren und ihr das Geld für weitere Ausbauten zu geben. Stattdessen werde ich für ihre Kinder „nur“ etwas Schulzeug und Kleidung kaufen (für die großen, die kleinen haben sich sehr über die Kleider von der „Aktion Hoffnung“ gefreut), und habe begonnen, beispielsweise Emma (meiner Putz-Perle, die samstags immer noch putzt, um sich für die Schulwoche Frühstück und Waschzeug etc. leisten zu können) immer einmal wieder etwas Essen zu kaufen (oder Waschmittel, Seife, etc…). …und sie freuen sich sehr über solche Kleinigkeiten.
…und dann ist da ja jetzt Mary! Nachdem Mary in die Krankenstation gebracht wurde, wurde ihr Haus niedergebrannt, so dass sie jetzt nichts mehr besitzt – und da habe ich angeboten, eine kleine Grundausstattung für sie zu besorgen. Die Leute der Krankenstation waren sehr dankbar und so war ich letzte Woche einkaufen: vorwiegend Kleidung, eine warme Decke, etwas zu essen und „Waschzeug“. Eigentlich wäre noch eine Matratze hinzugekommen, doch das hat Mary abgelehnt, das könne sie nicht tragen (sie wird ja nicht in das Dorf hier in der Nähe zurückkehren können und muss deshalb zu ihrer Verwandtschaft entweder in Hagen oder anderswo hin). Das hat mich auch sehr berührt – sie hätte die Matratze ja locker verkaufen können und hätte etwas Geld gehabt (was hier leider bei vielen Leuten vermutlich der erste Gedanke gewesen wäre), doch sie war einfach ehrlich – und sehr dankbar, dass wir ihr geholfen haben.

Mary und Sr. Juliana
 Ein (vorerst) letzter Punkt zu Mary: sehr bewegt hat mich auch, dass sie am vergangen Dienstag das erste Mal die Krankenstation verlassen hat – Bischof Donald hat die Chrisam-Messe gefeiert – und Mary hat das Öl, das für die Krankensalbung bestimmt war, getragen. Sie konnte nur sehr langsam laufen und es war für sie immer noch sehr schwer, ihre Hände zu gebrauchen. Berührend.


Mary bringt das Öl

…zusammen mit den anderen, die die Öle gebracht haben…

„Highlight“ der letzten Wochen außerdem:
4 Pakete voll mit Medikamenten/sonstigem medizinischem Zubehör, die von einer deutschen Hilfsorganisation nach PNG geschickt wurden.
Unsere Krankenstation bestellt diese Medikamente über Sr. Gaudentia und ihre Schwestern in der Schweiz und die Preise für diese Medikamente sind sehr günstig (als Hilfsgüter), vor allem bekommt man all diese Dinge überhaupt nicht in PNG.
Wie auch immer: diese Pakete wurden im Januar (oder Anfang Februar?) in Deutschland bei der Deutschen Post (bzw., da es später relevant wird: Deutsche Post/ DHL) aufgegeben und selbstverständlich wurde dafür bezahlt.
Diese Pakete haben dann ihren langen Weg nach Papua Neuguinea gut gemeistert und kamen Ende Februar in Port Moresby bei Post PNG an. Der Status der Pakete (den man ja so wunderbar verfolgen kann) sagte, dass die Zollbearbeitung noch läuft. Zehn Tage später bekam ich einen Wisch in die Hand gedrückt, auf dem eine Kopie der Paketaufkleber war – zusammen mit einem Namen „Alex“, einer Telefonnummer und der Notiz, sich bei ihm zu melden.
Ich habe also „Alex“ angerufen und gefragt, was es denn mit diesem Wisch auf sich hat. Alex hat mir dann erzählt, dass die Pakete bei ihnen in Moresby sind und dass wir jetzt 100 Kina zahlen müssen, damit sie sie zu uns nach Mendi schicken (100 Kina PRO Paket… - das sind ca. 35 Euro – also mal vier!). Ich habe gefragt, warum, etc. – aaaaah, ich merke gerade, dass ich das nicht zu ausführlich schreiben kann, denn das macht mich immer noch SO ärgerlich (ganz schlecht für den Blutdruck!!!).
Also: in Kürze: aus irgendwelchen Gründen (es wurden verschiedene angeführt) hat Post PNG entschieden, dass sie, wenn die Pakete mehr als 10 kg wiegen und wenn darauf „DHL“ zu lesen ist, 100 Kina Beförderungsgebühr verlangen. Ich habe VIELE Telefonate geführt, sogar mit Deutsche Post/ DHL in Deutschland, habe mich von A nach B verbinden lassen, habe es bei DHL in PNG versucht, habe am Telefon geschrien (was ich praktisch nie mache), habe vor Wut geheult,… - habe versucht, den Chef von Post PNG zu erreichen (der aber angeblich in Australien weilt – und auch keinen Vertreter hier hat…), … - und habe NICHTS erreicht. Die schlaue Idee, jemanden die Pakete in Moresby abholen zu lassen und zu schauen, ob wir sie anders transportiert bekommen, wurde auch ausgelacht, denn die Leute haben mir eiskalt in’s Gesicht gesagt, dass sie die Pakete nicht herausgeben würden, selbst, wenn wir sie holen wollten, müssten wir die 400 Kina zahlen.
Schließlich wusste ich nicht mehr weiter und habe Bill um Hilfe gebeten. Dann hat er telefoniert – ebenfalls mit Hinz und Kunz (Ihr habt keine Ahnung, wie viele Stunde Zeit darauf verwendet wurden…!), er war sehr viel klarer und hat den Leuten in’s Gesicht gesagt, dass er glaubt, dass das Geld in die eigene Tasche geht. Auch er hat verlangt, den Chef (CEO) zu sprechen – und bekam eine Nummer… - allerdings meinte dieser „Chef“ dann am Telefon, dass er das nicht entscheiden könne, sondern erst mit seinem Chef sprechen müsse … :-( . Schließlich hat Bill eingewilligt, die 400 Kina zu zahlen (denn die Medikamente sind natürlich viel mehr wert und werden vor allem dringend benötigt!!!), bestand aber darauf, eine Rechnung zu bekommen (denn schließlich muss die Diözese ja irgendwie nachweisen, was mit ihrem Geld geschieht) – und hat dann wieder nichts mehr gehört.
Wieder einige Tage (nachdem nicht mehr auf Anrufe/ E-Mails/ etc. reagiert wurde) später haben wir Br. Ray (der auch schon seit über 40 Jahren hier ist) gebeten, in Mendi bei der hiesigen Postfiliale vorbeizuschauen – und der hat es dann tatsächlich geschafft, eine Rechnung zu bekommen. Unterschrieben von „Alex“ und mit der Rechnungsnummer „CHS 2015“, was vermutlich für „Catholic Health Services 2015“ steht. Da kann man mir erzählen, was man will, das ist alles FAKE!!!! Alles erstunken und erlogen und das Geld wird in der eigenen Tasche landen. UNGLAUBLICH! Ich bin wirklich immer noch wütend…! Es ist ein schreckliches Gefühlt, zu wissen, dass das absolut falsch ist, was geschieht, und dennoch NICHTS dagegen machen zu können. Richtig hilflos!
Wie auch immer: Bill hat dann wenigstens das Geld auf das offizielle Konto von Post PNG überwiesen (und nicht, wie gefordert in bar gezahlt), und jetzt warten wir darauf, dass die Pakete kommen.
Noch ist mir nicht ganz klar, an welche Stellen ich mich wenden muss, damit das zukünftig nicht mehr passiert, aber ich werde diese Geschichte sicherlich publik machen und insbesondere auch Deutsche Post/ DHL darüber informieren, denn es ist einfach falsch, dass man für ein Paket in Deutschland knapp 100 Euro bezahlt, und dann irgendwo unterwegs nochmals 35, damit es zugestellt wird….!

Und damit: genug davon (Blutdruck zu hoch ;-)  ).

„Was-sonst-noch-geschah“:

„Unser Büro soll schöner werden“ – diese Aktion hat auch in den letzten Wochen stattgefunden. Die Vorstellung davon, was „schön“ ist, ist hier aber durchaus verschieden – und auf jeden Fall unterschiedlich zur westeuropäischen Vorstellung von „schön“. Bislang war das Büro in einem „wunderschönen“ mintgrün gestrichen, die Türen in einer dunkleren Farbe und der Boden war schon seit langer Zeit nicht mehr abgeschliffen worden…
Nun arbeiten mit Bill (Neuseeländer) und mir zwei nicht-Locals zusammen und wir beide haben entschieden, dass das Büro etwas „offizieller“ und vor allem deutlich ordentlicher aussehen soll. Wir haben also eine Farbauswahl getroffen (was gar nicht so einfach war, denn manche Farben fand er grausam, manche fand ich schlimm und bei manchen intervenierte der Bischof ;-)  ). Wir haben uns also geeinigt auf eine Art Eierschalenweiß für die Wände (leichter Gelbstich – macht den Raum etwas heller), ein Reinweiß für die Decke, die Farbe „Euro“ für die Türen (graubraun) – darauf hat Bill bestanden – und ich wollte dann noch einen Farbklecks, der eher freundlich aussehen soll und konnte mich mit „Rose“ durchsetzen ;-). Nun ja – und dann ging es an’s Streichen… - tagelang…- und schlimm vor allem, wenn man selbst eher perfektionistisch veranlagt ist und mit Leuten zusammenarbeiten muss, die das gar nicht verstehen (und deren Verständnis von „schön“ sowieso ein anderes ist…). Wie auch immer: es ist – so gut wie – geschafft – und das Resultat ist erheblich besser, als der Zustand davor war! Insofern hat sich’s gelohnt. Der Boden ist nach wie vor (beziehungsweise wieder) eine Katastrophe, denn die Leute, die das gemacht haben, haben schlicht schlechte Arbeit geleistet). Die meisten, die hereinkommen, sind ganz erfreut – und sogar der Bischof kann sich mit „rose“ anfreunden ;-)  :

Ein Farbeindruck

…nach getaner Arbeit…


Sonst war da noch:

der Besuch einer lieben Bekannten des Bischofs – einer Namensvetterin von mir (allerdings bitte englisch aussprechen!). UND: sie hat eine viel hellere Haut als ich und ist blond! Zum ersten Mal war nicht ICH das erste Ziel der Aufmerksamkeit! Juhuu! Sehr nett war, dass Bischof Donald sie für die Dauer ihres Aufenthaltes bei mir einquartiert hat und ich sozusagen ihr „Kompagnion“ war.

Der Grund ihres Kommens war die Einweihung des neuen Hauses der Diözesanpriester:

Einweihung des neuen Hauses der Diözesanpriester


dann waren wir am Josefstag mit dem Bischof unterwegs nach Margarima (die Kirche dort heißt „St. Josef“)

Sr. Lukas ist mit von der Partie, sie war vor vielen Jahren für viele Jahre in Margarima und wird hocherfreut willkommen geheißen!

Große Freude überall!

Prozession zu Ehren des Hl. Josefs

Und Alen wurde zum Diakon geweiht:

Ein neuer Diakon für die Diözese

Der traditionelle Kuchen darf nicht fehlen! (Ein „Doppeldecker“)

:-) Große Freude beim Anschneiden des Kuchens


Ich durfte eine Runde im Heli mitfliegen – zweimal…! Einmal davon an einem wunderschönen Tag – und habe sowohl die Missionsstation von oben gesehen, als auch Mount Giluwe – ohne Wolken – von oben!

Die Missionsstation von oben...

...und Mt. Giluwe – von oben – auch hier: wolkenlos!

Ach so, und dann hatte ich ja auch noch Geburtstag und war zunächst nicht so klar, ob und wem ich das erzähle (man will sich ja nicht aufdrängen), habe dann aber gedacht, dass ich das auch blöd fände, wenn mir das jemand nicht erzählt.
Und so kam ich zu einem Vor-Geburstags-Grillen bei den Leuten von SWA (…und habe mir meinen eigenen Geburtstagskuchen gebacken ;-)  ) – man beachte, wie stilvoll es da zuging!

ein GESTELLTES Bild :-) – aber mein Kuchen war sehr lecker!

…die „Swiss Sisters“ haben mir am Frühstückstisch gratuliert und mich dann auch noch zum Abendessen eingeladen (SEHR lecker und nett!) – und zum Kaffee habe ich zu mir eingeladen – und eine illustre Runde beisammengehabt:

Geburtstags-Kaffeeklatsch…

(wer kann schon von sich sagen, dass der Bischof zum Geburtstagskaffee zu ihm kommt – wobei: ich bin sicher der Kuchen hat ihn mehr gelockt ;-)  )

Dieses Bild finde ich SO genial (…leichte Ironie…) – alle haben sich so schön in einer Reihe aufgestellt – und ich trage ein T-Shirt, das ich kurz zuvor bekommen habe, das mir viel zu groß ist (aber ich werde es in Ehren halten, es ist das „Staff-T-Shirt“ der Diözese Mendi. (manche haben das auch in dunkelblau).


Puuuh, BEINAHE geschafft… - Noch ein Nachtrag:

Die Kar- und Ostertage in Muli waren sehr schön!
Fr. Damian hat große Freude an schöner Liturgie und hat seine Gemeinde hier wirklich entsprechend „erzogen“. Die Ministranten (viele!) verrichten ihren Dienst sehr schön, die Lektoren und Kommunionhelfer ebenfalls, und die Gemeinde ist recht aktiv.
Neu für mich war, dass versucht wird, manches der Leidens-/Sterbensgeschichte von Jesus zu verbildlichen.
Die Feier am Gründonnerstag war sehr schön und anschließend an den Gottesdienst wurde – wie üblich – der Tabernakel leergeräumt und die Hostien in einen zweiten Tabernakel überführt. Dieser war im Seitenschiff und war als Gefängnis dekoriert.

Tabernakel „im Gefängnis“


Der Kreuzweg am Karfreitag (ca. 1 Stunde) führte einen Berg hinauf - zunächst in großer Hitze und dann in einem Gewitter, wie ich es noch nie draußen erlebt habe. Punkt 15 Uhr begann es zu schütten und zu winden…. blitzen und donnern, dass wir alle klitschnass waren (ich hatte zwar schon ein kleines Schirmchen dabei, aber der Wind war so stark, dass der einzige Körperteil, der am Schluss nicht triefte, sondern nur feucht war, mein Kopf war).


Vor Beginn des Kreuzwegs: gute Stimmung, ordentliches Wetter
…es beginnt zu regnen…

…anfangs ist noch alles geordnet, nach der fünften Station versuchen wir nur noch, schnellstmöglich zur Kirche zurückzukommen…

Nach dem sich anschließenden Gottesdienst wurde der Leib Christi aus dem „Gefängnis“-Tabernakel in das andere Seitenschiff überführt – dort war eine Art Grab gestaltet (mit der Inschrift „Jisas Krais, 33 yia“ ) – und dann in der Osternacht war dieses Grab vor dem Altar – geöffnet und leer. (und ich erwähne nicht extra, dass die Kirche für jeden dieser Gottesdienste wunderschön gestaltet war!).

Hl. Grab

Das Grab ist leer!

Das ist mal ein RICHTIGES Osterfeuer! Halleluja!


Eigentlich bin ich kein großer Fan von solchen Verbildlichungen, doch ich fand, dass es hier sehr gut gepasst hat und sowohl für die Leute hier, als auch für mich in diesem Jahr, das absolut richtige war. Einfach schön!

Und schön war auch, dass wir eine richtig schöne Prozession am Ostersonntag morgen hatten – schöner, als ich sie manches Mal in Deutschland erlebt habe :-) – so richtig mit Monstranz und Himmel und Prozessionsordnung… :-)


Prozession am Ostermorgen

…mit HIMMEL…! :-)


…und damit: frohe und gesegnete Ostern nach Deutschland! :-)