Sonntag, 3. Mai 2015

Katholisches

Schon länger hatte ich vor, einen Artikel „Katholisches“ zu schreiben.
Also: Achtung – Ihr lest (wie immer) auf eigene Gefahr weiter! :-)
(Der Übersichtlichkeit wegen diesmal in kleineren Absätzen – und mit der Vorbemerkung, dass es in PNG selbst große Unterschiede gibt; ich berichte vorwiegend über die Situation hier in der Diözese Mendi, wo vor 60 Jahren die ersten Missionare „landeten“)

Latein
Manche werden wissen, dass ich Latein sehr schätze und dass ich mich auch über lateinische Messen sehr freue (im „neuen“ Ritus, wohlgemerkt) – und mich gerne auch immer mal wieder in Deutschland dafür stark mache. Der Gedanke, dass in dieser Sprache schon Generationen vor uns gebetet und die Messe gefeiert haben und die Vorstellung, dass dies die universale Kirchensprache ist, fasziniert mich ebenfalls.
…und dann komme ich in dieses Missionsland hier, wo jeder Stamm eine eigene Sprache spricht (es gibt hier über 800 verschiedene Sprachen, wenn man dem Internet glauben darf) und es genügend Menschen gibt, die keine der beiden offiziellen Sprachen des Landes (Tok Pisin und Englisch) sprechen…
Um es kurz zu machen: Latein spielt praktisch keine Rolle hier! Irgendwie schade, aber andererseits geht mir dadurch auch auf, wie groß die Errungenschaft war, die Bibel in die jeweiligen Sprachen zu übersetzen und die Messe ebenfalls in der Landessprache abzuhalten.
Da Tok Pisin eine sehr blumige, umschreibende Sprache ist, ist es durchaus sehr bereichernd, manche der altbekannten Texte in anderer Sprache zu hören.
Und auf der anderen Seite fehlen dann auch häufig Worte, die in Deutsch/ Englisch/ Latein eine besondere Bedeutung haben, und der Versuch einer Erklärung in Pidgin ist manchmal nicht soooo schön.
Und – eine kleine Randbemerkung… - am Ende des Hochgebetes die Worte „Durch ihn und mit ihm und in ihm…“ kann es in Pidgin so nicht geben, denn es gibt genau zwei Präpositionen („long“ und „bilong“); insofern ist da dann die Formulierung natürlich etwas anders… (und das ist nur EIN Beispiel).
Und – noch ein „P.S.:“: es ist durchaus üblich, dass die Fürbitten in der jeweils eigenen Sprache („Tok Ples“) abgehalten werden; bzw., es ist ebenfalls durchaus üblich, dass in entlegeneren Gegenden irgendjemand übersetzt („Tok Pisin“ in „Tok Ples“).

Embolismus
Im katholischen Gottesdienst wird (eigentlich,… - zumindest, wenn sich der Priester an die Vorgaben hält…) das „Vater Unser“ „unterbrochen“:
Nach der Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ betet der Priester zunächst alleine weiter: „Erlöse uns, Herr, von allem Bösen, und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit Deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“, bevor dann alle wieder mit einstimmen: „Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.“
Dieser „Einschub“ heißt Embolismus und ich persönlich finde auch die darin enthaltenen Bitten sehr wichtig und schön – und, um es kurz zu machen, freue mich, dass ich hier noch keinen Gottesdienst OHNE diesen Embolismus erlebt hätte, der ist ganz selbstverständlich.
(Vielleicht, weil hier die Stimmen, die fordern, dass dies unbedingt nötig wäre „wegen der Ökumene“ nicht so laut sind?!???)

Gesänge
…sind wichtiger Bestandteil der Gottesdienste, Gebetszeiten, etc….
…sind häufig eingängiger, als Gebete…
…werden LAUT (und noch lauter und NOCH lauter) mitgesungen (und manchmal so laut „gesungen“, dass wir es schon nicht mehr als singen bezeichnen würden)…
…haben häufig die Melodie bekannter Lieder – mit einem eigenen Text (;-) und das kann dann durchaus witzig werden, wenn das Lied im Deutschen ein Weihnachtslied ist, hier aber ein Marienlied, oder so ;-) )…

„Für alle“                                                                     
Was in Deutschland zu großen Diskussionen führt und führte, ist hier schon eine lange Weile umgesetzt. Sowohl die englischen Messbücher, als auch die Messbücher in Pidgin haben bei den Wandlungsworten nicht mehr das „für alle“, sondern „für viele“.
…und entsprechend bemühen sich die Bischöfe und Priester auch, die weiteren „Vorgaben“ des Papstes umzusetzen.

Brot und Wein
Eine solche „Vorgabe“ ist, dass die Gläubigen beim Empfang der Kommunion unter beiderlei Gestalten (Brot und Wein) das Brot nicht selbst in den Wein eintauchen dürfen (Intinktio).
Zugegeben, diese „Vorgabe“ ist für mich manches Mal durchaus schwierig (und hier ganz besonders – allein die Vorstellung, aus dem gleichen Kelch zu trinken, wie hunderte anderer Menschen …, wo hier soooo viele Infektionskrankheiten verbreitet sind…), doch Bischof Donald und einige andere Priester hier haben eine, wie ich finde, sehr schlaue Variante: Der Priester selbst hält den Kelch, ein Kommunionhelfer hält die Schale mit den Hostien, der Priester nimmt eine Hostie und tunkt sie in den Wein.
(Äääähm, und ja, klar geht das nur bei Mundkommunion :-) ).

Wein
Unterwegs in Middle Ramu habe ich noch eine weitere für mich neue Erfahrung bzgl. des Kommunionempfangs gemacht.
Die Messe, um die es hier geht, war in einer der Outstations in einer kleinen Kirche aus „Busch“materialien ohne Tabernakel. Vor der Gabenbereitung bat der Priester alle, die kommunizieren wollten, die Hand zu haben, damit die Anzahl bestimmt werden konnte. Ein Kommunionhelfer ging dann zählen, was aber durchaus nicht ganz einfach war, da alle Leute verstreut sitzen und vielleicht auch die Worte nicht gehört hatten…. Wie auch immer: beim Kommunionempfang gingen die Hostien aus – und der Priester ging einfach zum Altar, holte den Kelch mit Wein und ließ die verbliebenen ca. zwanzig Leute noch aus diesem Kelch trinken.

Ministranten
Jaja, auch die gibt es hier – und die Ministrantengewänder sind so vielfältig, wie die Priester, die hier Dienst tun. Manchmal scheint es mir, dass, je nachdem, wer in welcher Gegend missioniert hat, die Gewänder unterschiedlich sind.
Hier in der Diözese Mendi habe ich bislang nur männliche Ministranten gesehen, in der Diözese Madang dagegen fast ausschließlich weibliche.
Nun war ich selbst Ministrantin (und habe das wirklich sehr gerne und mit großer Überzeugung und Hingabe gemacht!) und habe mich durchaus dafür stark gemacht, dass Mädchen auch ministrieren dürfen, sehe aber auch, dass das ein zweischneidiges Schwert ist. Mädchen sind (auch hier – oder vor allem hier???) zuverlässiger, und es scheint hier in der Kirche so zu sein, dass sobald Mädchen (oder Frauen) eine Aufgabe übernommen haben, die Jungs (und Männer) sich zurücknehmen, da es auch ohne sie „läuft“.
Eine durchaus schwierige Entscheidung.
In Muli (wo ich über Ostern war) habe ich eine sehr aktive Gemeinde mit einem sehr guten Priester erlebt, und ich denke, dass das vielleicht als positives Beispiel dienen kann:
Fr. Damian lässt dort ebenfalls ausschließlich Jungs ministrieren, aber er nimmt sich auch sehr viel Zeit für sie und veranstaltet Ministrantenproben etc. Die Liturgie dort hat mir sehr zugesagt und es war ganz offensichtlich, dass die Ministranten ihren Dienst mit einer großen Hingabe tun (und es waren bestimmt 30 Ministranten da!).
Der Dienst der Mädchen heißt dann „Tambourine Girl“…: Die Mädchen treffen sich, um die Begleitung der Lieder für die Messe zu proben – und, wie der Name impliziert, jede von ihnen hat ein Tambourin. Diese Tambourins werden häufig auch mal bunt geschmückt, mit Fäden versehen, etc. und dann geht es los: einer genauen Choreographie folgend begleiten die Mädchen die jeweiligen Lieder (;-) das ist ganz schön faszinierend, mit anzusehen, denn selbstverständlich ist das für jedes Lied anders!)

Blumenschmuck
Ein Wort muss auch zum Blumenschmuck gesagt werden:
WUNDERSCHÖN!
Na, o.k, etwas mehr: dadurch, dass hier „immer“  „alles“ wächst, blühen meist auch allerlei Blumen – und die werden dann einfach gepflückt, um die Kirche etc. zu schmücken. Wirklich: wunderschön!
(…:-) und ich muss so oft an meinen Papa denken, der – angesprochen darauf, dass vielleicht die Socken, die er trägt, nicht unbedingt zur Hose passen (o.ä.) –  meinte, dass das subjektiv sei und dass in der Natur doch auch alle verschiedenfarbigen Blumen nebeneinander blühen… - Papa, all diese bunten Blumen sind dann manchmal auch im Blumenschmuck vereint – rosa und rot und orange und… :-)!)

Sonntagsgewand
So manches Mal sonntags (oder auch unter der Woche) wünschte ich mir, dass ich meine Kamera dauernd dabeihätte, damit ich die EINMALIGEN Sonntagsgewänder festhalten könnte…
Mode ist hier wirklich völlig relativ (und auch hier gilt: ALLES passt zusammen – wieder mit dem Gruß an Papa!), und vor allem gilt: es geht immer ALLES, solange es nur hinreichend funktionell ist – oder, solange man es einfach überzeugt genug trägt…!
Die Liste, der Dinge, die mir hier (modetechnisch) sonderbar vorkommen, wäre vermutlich endlos lange (und reicht vom Supermankostüm über die Rüschchensocken, bis zur Weihnachtsmannmütze und dem Morgenmantel), aber sonntags wird das manchmal noch getoppt, weil die Leute sich natürlich besonders fein machen für den Sonntagsgottesdienst.
I LOVE IT!!! (Wirklich, eigentlich berührt es mich, zu sehen, dass der Sonntag den Leuten so wichtig ist, und wie sie bemüht sind, sich entsprechend fein zu machen; einzig, wenn ich mit „deutschen“ Augen schaue, dann wirkt manches doch sehr witzig… :-) )

Werktagsmesse
Hier in Mendi bin ich in der sehr privilegierten Situation, meist zwischen (mindestens) drei Werktagsmessen wählen zu können: in der Kathedrale ist täglich Messe, ebenso bei den Kapuzinern und ebenso im KTS (Katechis Trening Senta ;-) ). Täglich bedeutet wirklich täglich, also auch montags und samstags. Messe ist allermeist um 7 Uhr morgens, bei den Kapuzinern und im KTS mit vorangehender gemeinsam gebeteter Laudes.
Ich wähle meist die Messe bei den Kapuzinern und bin dann bei den Swiss Sisters zum Frühstück, bevor ich um 8 Uhr im Büro anfange.
Sehr nett!
Ich weiß diesen „Luxus“ sehr zu schätzen und werde das in Deutschland sehr vermissen!

Gabenbereitung
Über die Gabenbereitung habe ich schon einmal kurz berichtet, deshalb nur ganz kurz: vor der Gabenbereitung findet ein kleiner Gabenganz statt, in dem Brot und Wein und sonstige Gaben zum Altar gebracht werden. (Und das „Sonstige“ ist Geld, Gemüse, Obst, etc., aber eben manchmal auch lebende – oder tote – Tiere…)

Beichte
Verglichen mit Vielem, was ich in Deutschland erlebt habe, hat die Beichte hier einen hohen Stellenwert. In vielen Outstations habe ich erlebt, dass der Priester bevor er die Messe beginnen kann, zunächst erst einmal eine gute Stunde (oder länger) Beichte hört. Da viele dieser Kirchen keinen eigenen Beichtstuhl haben, findet die Beichte dann im Altarraum statt: der Priester sitzt auf seinem Stuhl und der Beichtende kniet vor ihm. (Hin und wieder denke ich da unser Nightfeverteam und die Anfragen, die so manches Mal kommen nach den Nightfeverabenden, ob eine solche Beichte nicht irgendwie zu „öffentlich“ ist, bzw., dass sie nicht privat/ geheim genug ist… :-) … kommt doch mal HIERHER und schaut Euch das an!)
Generell ist Beichte hören sicherlich auch eine Herausforderung für die Priester, denn so manches Mal verstehen sie die Sprache nicht, in der da gebeichtet wird…
Auch hier gilt: manches Mal bin ich ganz ergriffen vom festen Glauben mancher dieser (in meinen Augen häufig so „einfachen“) Menschen: da kann ich viel lernen.

Faithfulness
Mir fiel keine bessere Überschrift ein…:
In Deutschland erlebe ich häufig, dass Menschen, die an den Idealen/Idealvorstellungen der katholischen Kirche scheitern, mit großer Energie versuchen, diese Ideale abzuschaffen und die Kirche zu verändern (zum Beispiel bezüglich der Haltung der katholischen Kirche in Bezug auf den großen Komplex „Ehe, Sexualität, Familie“).
Hier scheint es mir eher so zu sein, dass es viel klarer ist, dass man an Idealen scheitern kann, und dass sie dennoch wert sind, aufrecht erhalten zu werden; dass es nach jedem Scheitern auch die Möglichkeit des Neuanfangs gibt (und dass dies im katholischen Glauben eben durch die Beichte und die Vergebung der Sünden möglich ist).
Wenn man die konkreten Lebenssituationen einiger Menschen hier anschaut, dann sind diese überhaupt nicht konform mit den Lehren der katholischen Kirche, und dennoch a.) werden diese Menschen nicht als Aussätzige/ Ausgestoßene/… behandelt und b.) versucht niemand, die Lehren der Kirche zugunsten dieser Menschen zu ändern.
Es ist durchaus üblich und völlig normal, dass während des Kommunionempfangs Einige auf ihren Plätzen sitzenbleiben – aus verschiedenen Gründen (zum einen wirklich, weil sie sich nicht im Stand der Gnade befinden, zum anderen aber auch, weil sie nicht der katholischen Kirche angehören – oder ihr sich in der Vorbereitung zurAufnahme befinden, oder weil sie sich aus irgendeinem Grund nicht disponiert dafür empfinden,…) – und dass das nicht groß diskutiert oder in Frage gestellt wird. Es ist klar, dass es bestimmte Voraussetzungen für den Kommunionempfang (und für die Aufnahme in die Kirche etc.) gibt, und dass andere Kirchen (und andere Vereine etc.) auch bestimmte Voraussetzungen für allerlei Dinge haben, und entsprechend versuchen die Leute, sich daran zu halten.
(Ich muss gestehen, dass ich diese Haltung, wie überhaupt die Haltung zur Treue gegenüber der katholischen Kirche als sehr angenehm empfinde. Ich bin die ewigen Diskussionen „back home“ leid und ich empfinde es als große Erleichterung, mich nicht ständig und überall für meinen Glauben und meine(n Versuch von) Treue gegenüber der katholischen Kirche rechtfertigen und verteidigen zu müssen)

Missionare
…gibt es hier viele…
Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, den unterschiedlichsten Gemeinschaften und sprechen die unterschiedlichsten Sprachen.
Die Missionare (also die Gemeinschaften), die schon seit über 45 Jahren hier sind, sind die Kapuziner und die „Swiss Sisters“ (aus Baldegg). Die Kapuziner sind sogar noch länger hier, deshalb ist auch keiner der allerersten Garde mehr hier, aber einige der „Swiss Sisters“, die jetzt noch im Land sind, waren die allerersten ihrer Gemeinschaft, die hierher gesandt wurden.
Diese Menschen, die schon seit 45 Jahren hier sind, faszinieren mich sehr – und ebenfalls fasziniert mich die Art, wie sowohl die „alten“ Kapuziner, als auch die „alten“ „“Swiss Sisters“ hier authentisch als Missionare, aber vor allem auch authentisch als Gemeinschaft leben! Beeindruckend. Und sehr begeisternd, welch faszinierende Persönlichkeiten diese Menschen sind!

Bischof
Kurz muss ich auch etwas zum Bischof schreiben:
Bischof Donald ist ein großartiger Mensch. Er ist ebenfalls Kapuziner, kam allerdings ursprünglich nicht als ganz „klassischer“ Missionar in’s Land, sondern um im Seminar der Kapuziner zu unterrichten. Dies tat er auch, aber gar nicht so lange, denn als der ehemalige Bischof von Mendi, Bischof Steven, zum Erzbischof von Madang gemacht wurde, war plötzlich der Name von Donald Lippert auf der Liste der Kandidaten für den Bischof von Mendi… - und dann wurde er auch wirklich Bischof von Mendi….
Er unterrichtete zuvor in Port Moresby (dort wird fast ausschließlich Englisch gesprochen) und musste dann erst einmal anfangen, Pidgin zu lernen. UND: aus der Erwartung, einige Jahre hier lehrend zu unterrichten, wurde die „Sicherheit“, bis zur Pensionierung (mit 75) in PNG zu bleiben. Irgendwie auch spannend, aber eben auch „typisch“ für hier und für die Mission: PNG ist „the land oft he unexpected“, wie hier gesagt wird.
Nun ja, Bischof Don erzählt manchmal scherzend, wie er sich anhören muss, dass manche Leute (von außerhalb PNG) ihm sagen, dass die Leute, die in PNG Bischof werden, auch nirgendwo sonst Bischof geworden wären… - da ist sicherlich etwas dran, aber im Gegenzug: die Allerwenigsten KÖNNTEN hier Bischof sein – das ist wirklich keine (überhaupt keine!) leichte Aufgabe! Ein Bischof hier ist häufig sehr alleine, muss auf viele Annehmlichkeiten der westlichen Zivilisation verzichten, sich mit allerlei fremden Gebräuchen und Sitten auseinandersetzen und auskennen, muss sich wirklich mit ALLEM selbst befassen, etc….
Wo ein deutscher Bischof einen Sekretär und eine Sekretärin, einen Finanzchef und jemanden für Soziales, einen Chauffeur und eine Köchin, etc. hat, muss der Bischof in PNG selbst aktiv werden: er muss vielleicht nicht die ganze Arbeit alleine machen, aber er muss sich zumindest mit allem auskennen – und das reicht von den Finanzen bis zur Solaranlage… - und so ganz „nebenher“ ist er dann ja auch noch ein geistlicher Führer…
Ich beneide Bischof Don überhaupt nicht um diese Aufgabe, im Gegenteil, ich bemitleide ihn sehr…! (…OREMUS!...)

Priester
Die Diözese Mendi ist noch recht jung und hat in der Zwischenzeit (also in den ca. 60 Jahren ihres Bestehens) einige „locals“ als Priester hervorgebracht. Momentan liegt die Zahl bei ca. 13 (oder so?), die Mehrheit der Priester stammt aus einem anderen Land (USA, Korea, Indien, Tansania, Polen).
Es ist für mich spannend, die verschiedenen Mentalitäten zu sehen, und die Eigenheiten, die die jeweiligen Priester mitbringen – und, ich muss auch hier sehen, dass manche Dinge, die für mich völlig selbstverständlich sind, hier überhaupt nicht selbstverständlich sind, und dass ich nicht erwarten darf, dass mein Gegenüber sich so verhält, wie ICH es von einem Priester erwarten würde.
So sind die Priester eben auch „nur“ Menschen …
…und der Bischof ist auch der Chef von all diesen… :-) keine leichte Aufgabe
(…und ehrlicherweise bezieht sich dieser kurze Absatz vor allem auf die „local priests“…)

Barmherzigkeit vs. „Compensation“
Manche Grundsätze meines Glaubens habe ich hier sehr viel besser kennen- und verstehen gelernt.
Mir ist klar geworden, dass für mich ein Leben ohne Barmherzigkeit, beziehungsweise ohne die Möglichkeit, selbst zu vergeben und Vergebung zu erfahren, beinahe sinnlos und vor allem unglaublich bedrückend und niederschmetternd wäre.
In der Tradition der Menschen hier in den Highlands hat aber dieses „Nachkarten“ eine große Bedeutung (die ganzen „tribal fights“, die hier stattfinden, haben meist schon vor Jahrzehnten begonnen – und die Situation ist häufig wie ein Schwelbrandt, der immer mal wieder aufflammt). Zur Zeit bekomme ich das hier in der Nähe mit, wo zwei rivalisierende Stämme wieder kämpfen, und dabei auch schon wieder (mindestens) ein Mensch getötet wurde. „Aug und Auge…“ Die Möglichkeit, irgendwann irgendwo einen Schlussstrich zu ziehen, existiert in dieser Vorstellung nicht.
Immer „beliebter“ werden auch Kompensationsforderungen – ein Menschenleben gegen so und soviele hundertausend/ Millionen Kina – und falls das nicht gezahlt wird, wird eben vom anderen Stamm jemand umgebracht. (Diese „compensation“s bestimmen auch den Alltag: für allerlei Dinge werden die fällig – in unterschiedlichen Höhen etc.).
Ich realisiere, wie schwierig manche ganz alltäglichen Situationen werden, wenn die Person „gegenüber“ nicht vergeben kann… - und wenn ich mir dann für ein paar kurze Momente vorstelle, wie ich mich fühlen würde, wenn ich selbst diese Möglichkeit, zu vergeben, nicht hätte, dann reicht diese Vorstellung aus, um mich in eine sehr aggressive und dunkle Stimmung zu versetzen…
Spannend, denn zum Einen kommt der Versuch dieser Grundhaltung bei mir sicherlich aus meinem Glauben heraus, zum Anderen merke ich aber auch, dass das dies eine sehr gesunde Haltung ist, und ich ganz eindeutig davon im Alltag profitiere. :-)

Berufung vs. Geld-scheffeln und Erwartungen erfüllen
Ach ja, und das Thema „Berufung“.
In Deutschland ein „Dauerbrenner“, hier genauso.
„Welchen Weg gehe ich? Welchen SOLL ich gehen, welchen WILL ich gehen, zu welchem fühle ich mich berufen?“
Müssen wir uns in Deutschland bei dieser Frage schon Gedanken machen, wie das Umfeld reagiert, wenn wir einen Lebensweg „wählen“, der für den „Mainstream“ nicht ganz nachvollziehbar ist, so ist das hier genau das gleiche. Allerdings sind die Beweggründe vielleicht nicht ganz die gleichen.
Wie im „Compensation“-Absatz erwähnt, braucht „man“ hier für bestimmte Anlässe SEHR viel Geld… - neben den „Compensations“ sind das dann der Brautpreis, irgendwelche Geld-verleih-und-mit-Zinsen-zurückbekomm-Aktionen, der Tod eines Menschen (da muss man als Wantok nämlich viiiiiiiiel Geld zahlen, das man dann wieder bekommt, wenn aus der eigenen Familie jemand stirbt…), und dann noch eine merkwürdige Sitte, dass man den Brüdern und Onkels einer Frau, die in eine andere Familie eingeheiratet hat, Geld gibt (ABER: das ist NICHT der Brautpreis!!!) – das Wort aus Pidgin übersetzt ist sowas wie „Milchgeld“…
Insofern sind die Erwartungen, die in die Kinder einer Familie gesetzt werden, vor allem die, dass sie GELD SCHEFFELN, damit sie sämtliche Schulden etc. bezahlen können, die der Rest der Familie macht. (Und auch hier gilt: für mich eine sehr düstere Vorstellung; welch schwere Bürde für die Kinder).
Nun ja, kurz und gut: für die jungen Menschen, die sich hier ein Leben für die Kirche (als Brüder, Priester oder Schwestern) vorstellen können, bedeutet das, dass sie wirklich Erlaubnis benötigen von ihren Eltern und ihrer gesamten Großfamilie (und es kommt durchaus vor, dass dann irgendein Onkel nein sagt), wenn sie nicht völlig mit der Familie brechen möchten.


So viel für heute…! Bis bald, mit herzlichen Grüßen aus PNG!

Nachbemerkung: Ich habe all dies NICHT geschrieben, um große Diskussionen auszulösen und bin auch NICHT bereit, mich in diese hineinziehen zu lassen! Ich habe lediglich meine Beobachtungen und Erfahrungen hier niedergeschrieben, um sie zu teilen (und um möglicherweise auch zum Nachdenken anzuregen)!

Kommentare:

  1. Wunderbare Beobachtungen. Viele Grüße, :-)

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  2. Vielen Dank für die schönen Beobachtungen. Ich kann es gut verstehen, dass du die ewigen Diskussionen "back home" leid bist. Ich bin sie auch leid. Besonders schöne finde ich den Abschnitt zu den Idealen, an denen man scheitern kann, die es aber dennoch wert sind, aufrecht erhalten zu werden. In Polen ist dieses Bewusstsein auch (noch?) viel stärker vorhanden und ich habe das auch immer als sehr angenehm empfunden.
    Ich war ja auch Ministrantin und habe das sehr gerne gemacht. Es hat mir die Liturgie auch sehr nahe gebracht. Bei uns war es aber auch so, dass wir Mädels die Jungs quasi "verdrängt" haben (weil wir einfach zuverlässiger waren). Insofern bin ich da heute auch zwiegespalten. Eigentlich ist das Ministrieren ja eine gute Möglichkeit für Jungs, ihre Berufung zum Priestertum zu entdecken.

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